Im Gespräch: Mein künstlerischer Weg

Ein tiefer Einblick in meine Motivation, mein Schaffen und meine Vision als Künstler.

  • Mein Fokus: der Blick hinter die Kulissen

    Was mich antreibt, ist Neugier. Eine ehrliche, manchmal unbequeme Neugier darauf, was hinter Dingen steckt. Ich möchte verstehen, warum Zustände so sind, wie sie sind – bei Menschen, in Systemen, in unserer Gesellschaft. Nicht, um zu urteilen, sondern um tiefer zu schauen.

    Dieses Bedürfnis begleitet mich schon lange. Ich reise gerne, nicht um Orte abzuhaken, sondern um andere Lebensrealitäten kennenzulernen. Um unsere eigene Alltagsblase zu durchbrechen und mir bewusst zu machen, wie unterschiedlich Perspektiven sein können. Diese Erfahrungen fließen direkt in meine Arbeit ein.

    Mich interessieren besonders die unangenehmen Gewohnheiten, die wir oft lieber ausblenden. Der Umgang mit der Natur, mit fremden Menschen, mit Dingen, die uns herausfordern oder verunsichern – und die wir trotzdem in unserem Leben haben möchten. Diese Widersprüche faszinieren mich. Wir lehnen sie gedanklich ab und integrieren sie gleichzeitig in unseren Alltag. In meiner Kunst stelle ich Fragen, die man sich im Alltag oft nicht stellt. Fragen, die leise sind, aber nachwirken. Mich interessiert besonders der Mensch hinter der Fassade – seine Geschichte, seine Brüche, das, was ihn bewegt. Ich möchte ermutigen, genauer hinzusehen, die eigene Geschichte zu erforschen und sie als etwas Wertvolles zu begreifen.

    Meine Arbeit soll Nähe schaffen.

    Einen Zugang für die Betrachtenden, aber auch für die Themen selbst. Ich wünsche mir, dass Menschen in meinen Bildern etwas finden, das sie berührt, sie zum Nachdenken bringt oder ihnen einen neuen Blick auf ihr eigenes Leben eröffnet.

  • Für wen ich meine Kunst kreiere.

    Meine Kunst richtet sich an Menschen, die nicht mehr am Anfang stehen. An Menschen, die Entscheidungen getroffen haben, Verantwortung tragen und ihren eigenen Weg gegangen sind. Viele von ihnen haben sich ein Leben aufgebaut, in dem sie für andere wichtig geworden sind – für Familie, für Unternehmen, für Projekte oder für ihre eigene Selbstständigkeit.

    Es sind Menschen, die viel denken. Die reflektieren, hinterfragen und sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Sie kennen Überforderung ebenso wie den Wunsch nach Ausgleich. Balance ist für sie kein leeres Wort, sondern etwas, das sie aktiv suchen und pflegen. Sie arbeiten an sich, versuchen Überlastungen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

    Meine Klient:innen schätzen Ruhe, Tiefe und ehrliche Auseinandersetzung. Sie sind zielstrebig, durchdacht und manchmal auch sehr verkopft – und genau deshalb offen für Momente, die sie wieder ins Gleichgewicht bringen. Natur, Reisen und neue Perspektiven spielen dabei eine wichtige Rolle.

    Für diese Menschen entsteht meine Kunst.

    Nicht als Dekoration, sondern als Begleiter. Als etwas, das Raum schafft – zum Innehalten, zum Nachdenken und zum bewussten Ausgleich im eigenen Leben.

  • Erinnerungen und Momente, die mich prägen.

    Viele der Erinnerungen, die mich bis heute begleiten, reichen weit zurück. In meine Kindheit, in das Aufwachsen mit selbstständigen Eltern. Ich habe früh erlebt, was es bedeutet, für ein eigenes Ziel zu arbeiten. Dass Arbeit nicht immer klar vom Leben getrennt ist, sondern Teil davon sein kann. Verantwortung war nichts Abstraktes, sondern etwas Alltägliches – etwas, das dazugehört.

    In meinem jugendlichen Alter begann dann die Suche nach meiner eigenen Identität. In einer Welt, die wenig Raum für Künstler und Freidenkende lässt, musste ich lernen, meinen Platz nicht zu suchen, sondern ihn mir selbst zu schaffen. Dieser innere Konflikt, der Wunsch nach Ausdruck und gleichzeitig das Funktionieren in einem bestehenden System, hat mich stark geprägt.

    Ein prägender Abschnitt war auch meine Zeit bei der Bundeswehr. Dort wurde ich selbst Teil eines Systems und habe erfahren, wie Struktur, Disziplin und klare Abläufe funktionieren. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie man innerhalb solcher Systeme eigene Stärke entwickelt und Ziele konsequent verfolgt. Diese Erfahrung hat mein Verständnis von Verantwortung und Durchhaltevermögen nachhaltig verändert.

    Aus all dem ist meine Selbstständigkeit gewachsen. Mein erstes eigenes Tattoo-Studio, das ich Schritt für Schritt aufgebaut und über die Jahre erweitert habe. Ein Unternehmen, das mit mir gewachsen ist – genauso wie mein eigener Anspruch an meine Arbeit. Ein entscheidender Moment war die bewusste Entscheidung, meine Tattoo-Karriere neu auszurichten, meinen eigenen Stil zu finden und tiefer mit den Geschichten der Menschen zu arbeiten.

    Reisen haben diesen Weg weiter geöffnet. Besonders meine Reise durch Südamerika hat meinen Blick auf die Welt verändert und mir neue Perspektiven geschenkt. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, den eigenen Horizont immer wieder zu erweitern – und wie sehr diese Erfahrungen in meine Arbeit einfließen.

    All diese Erinnerungen sind Teil meiner Kunst.

    Nicht als direkte Abbildung, sondern als Haltung, als Blick auf die Welt und auf die Geschichten, die wir in uns tragen.

  • Licht- und Schattenseiten meiner Arbeit.

    Meine Arbeit schenkt mir Freiheiten, die nicht selbstverständlich sind. Ich kann entscheiden, wann, wie und mit wem ich arbeite. Ich kann reisen, neue Orte entdecken, meine Umgebung wechseln und meine Arbeit an mein Leben anpassen – nicht umgekehrt. Diese Freiheit empfinde ich als großes Privileg. Auch finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht mir, ohne Druck zu arbeiten. Für kreative Prozesse ist das essenziell, denn ständiger Druck kann Kreativität schnell ersticken.

    Gleichzeitig bringt genau diese Freiheit ihre eigenen Schattenseiten mit sich. Meine Gedanken sind selten still. Ideen entstehen ständig, neue Möglichkeiten, neue Techniken, neue Wege. Diese innere Offenheit ist eine große Ressource, aus der ich schöpfe – aber sie kann auch überwältigend sein. Ich erlebe immer wieder, wie mich eine Flut an Gedanken und Reizen erreicht, wie ich mich in Details verliere oder von Möglichkeiten ablenken lasse.

    Es braucht Erfahrung und Training, um darin nicht unterzugehen. Ich habe lernen müssen, mich bewusst zu fokussieren, Projekte einzugrenzen und mir klare, strukturierte Ziele zu setzen. Nur so kann ich diese gedankliche Fülle lenken, statt von ihr gelenkt zu werden.

    Eine weitere Schattenseite liegt in meinem Bedürfnis, hinter Fassaden zu blicken. Wer genau hinsieht, stößt nicht immer auf angenehme Wahrheiten. Diese Ernüchterung gehört zu meiner Arbeit dazu und sie fordert mich. Gleichzeitig ist es genau dieser Blick, der meine Kreativität nährt.

    Trotz allem überwiegt die Energie, die mir diese Arbeit gibt.

    Die Möglichkeit, frei zu denken und zu schaffen, fühlt sich oft an wie ein Zustand kindlicher Neugier – ein innerer Antrieb, weiterzumachen, weiterzuspielen und weiterzuforschen.

  • Mein Wunsch: Die Wirkung meiner Kunst auf dich.

    Mich erfüllt es, wenn ich ein Gefühl weitergeben kann, das ich selbst gut kenne. Das Gefühl, ein Bild an der Wand zu haben, das nicht zufällig dort hängt, sondern aus einem inneren Antrieb heraus gewählt wurde. Weil es etwas bedeutet. Weil es Kraft gibt. Weil es Energie spendet und den Blick für einen Moment abschweifen lässt.

    Genau diese Energie möchte ich mit meiner Kunst weitergeben. Ich wünsche mir, dass ein Bild, ein Gemälde oder ein Objekt dich in seinen Bann zieht. Dass es dir etwas gibt – nicht einmalig, sondern immer wieder. Dass du, jedes Mal wenn du es betrachtest, in eine kleine eigene Welt eintauchst. Eine Welt, die dich an dein eigenes Herzensthema erinnert, über das wir uns vielleicht näher sind, als es auf den ersten Blick scheint.

    Meine Arbeit soll dich aus dem alltäglichen Trott herausholen. Sie soll dich daran erinnern, dass es mehr gibt als Routine und Funktionieren. Dass der eigene Alltag durchbrochen werden kann – jederzeit, wenn man es zulässt. Ein stiller Impuls, der dich daran erinnert, dass Realität gestaltbar ist.

    Die Rückmeldungen, die mich dabei am meisten berühren, sind genau diese:

    Von den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, wenn sie sagen, ich gucke jeden Tag auf deine Arbeit und das gefällt mir so sehr. Das gibt mir jedes Mal Kraft und so viel Selbstvertrauen, weil es einfach zu mir passt und mich ergänzt.

    Das ist für mich das größte Kompliment.

    Und genau dafür mache ich Kunst.

Riccardo Damiano

Hallo ich bin Ricco

Künstler und arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Objektkunst und zeitgenössischem Storytelling.

Seine Werke verbinden emotionale Motive mit klaren Formen, materieller Tiefe und konzeptionellen Ebenen.

Jedes Werk versteht sich als Momentaufnahme zwischen Intuition, Erinnerung und Transformation.

https://Riccardodamiano.gallery
Zurück
Zurück

Kunst an die Wand: Ein praktischer Ratgeber

Weiter
Weiter

Rückblick 1: Ausstellung 1000freund.Gallery